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Bericht von Markus

Autor: Markus Uhlig

Das Trainingslager in Puimoisson war ein Erfolg. Insgesamt konnte ich in den 5 Wochen 90 Stunden in der Luft verbringen, dabei über 6000 Streckenkilometer sammeln und meine bisher größte Strecke von 1057km fliegen. 

Nachfolgend ein paar Eindrücke, Flugberichte und Impressionen:

10.3.2015: Ankunft in Frankreich

Nach Abfahrt Sonntag Mittag zu Hause habe ich die Nacht in Mulhouse im Auto geschlafen. Montag ging es dann in Frankreich weiter. Ab Kilo

meter 1200 war die Autobahn zu Ende und es ging mit Landstraße los, viele Serpentinen, besonders mit Hänger ein Vergnügen ;). Nach 1400 km und 30h Fahrt kamen wir erschöpft am Flugplatz an und konnten das Chalet beziehen. Heute haben wir in Ruhe alles eingeräumt, aufgebaut und angeschaut, außerdem gewisse theoretische Grundlagen zum Fliegen in den Bergen betrachtet. Morgen werden wir dann wahrscheinlich den ersten Flug hier in Platznähe machen... Wir sind gespannt :)

 

14.3.2015: Die ersten Flüge

Am ersten Tag herrschte eine schwache Mistrallage. Nachdem der Arcus und der 18m Discus in der Luft waren musste erstmal die Schleppmaschine getankt werden, sodass ich zusammen mit Robin S. den Anschluss an die erste Gruppe verlor. Da wir uns noch nicht auskannten haben wir den ersten Flug also nur hier am Haushang verbracht, was aber nicht schlecht war, schließlich mussten wir uns nach der langen Winterpause erstmal wieder ans Fliegen gewöhnen, besonders an das Fliegen am Hang :). Den Tag darauf war ich mit Arcus fliegen dran. Das war ein

sehr beeindruckender Flug, und zusammen mit dem sehr erfahrenen Trainer Uli bekommt man schnell mit wie man im Gebirge fliegen muss. Erst ging es den Parcour entlang, dann ins Flachland Richtung Vinon und dann nochmal den Parcour. Der Parcour ist eine günstige Aufreihung von Bergen und Hängen, an der man meistens ca. 60km ohne einen Kreis entlang fliegen kann. Auf dem Rückweg zog es dann extrem zu, die Sicht ging stark zurück. Man sah nach vorn, links und rechts nur schroffe Bergwände, nach unten nur unlandbares Gelände. Da ich mich hier noch nicht wirklich auskannte ein eigenartiges Gefühl, für die Ortskundigen war es aber kein Problem. 

 

18.3.2015: endlich besseres Wetter

Nach vielen Tagen Regen war Mittwoch und Donnerstag einigermaßen gutes Wetter, die Modelle deuteten ähnliches Wetter an beiden Tagen an. Am Mittwoch (18.3) sind Robin und ich zusammen mit Heinz geflogen. Heinz ist ein ebenfalls sehr erfahrener Alpenflieger, er war in der LS-8/18 unterwegs. Um die Gegend kennenzulernen sind wir diesmal nicht den klassischen Weg den Parcour entlang, sondern östlich den sogenannten 2. Parcour entlang über das Tal von Barcelonette. Hier stieg die Basis auf 3700 Meter über Meer an, und von der Höhe hat man einen fantastischen Blick über die Berge :) allerdings machten sich da bei mir schon leichte Kopfschmerzen aufgrund von Sauerstoffmangel breit so das ich das erste mal mit Sauerstoff fliegen musste. Nachdem wir im Norden die Wettergrenze, etwa Kilometer 140 auf Pui, erreicht haben, wendeten wir und flogen nochmal Richtung Westen am Pic de Bure vorbei. Zum Ende baute dann das Wetter schnell ab, wir waren froh uns zu diesem Zeitpunkt wieder lokal um Pui zu befinden. 

Am nächsten Tag war das Wetter nochmal ähnlich, allerdings flogen wir zuerst Richtung Osten um den sogenannten Ost-Run kennenzulernen. Mit der Clubklasse ist der allerdings ein wenig sportlich, da die Talsohle sehr hoch liegt, der Luftraum aber auf FL65 abgesenkt ist. Man hat also kaum Spielraum zwischen Erdboden und Luftraum. Anschließend flogen wir einen ähnlichen Kurs wie am Tag zuvor, allerdings erfolgte die Rückkehr über den Parcour, der auch schon nicht mehr richtig trug. Mit 0,8 m/s Steigen über der Talmitte kamen wir dann doch noch nach Haus. An beiden Tagen kamen am Ende je knapp unter 400 Kilometer raus, dafür das es die ersten richtigen Streckenflüge im Einsitzer im Gebirge waren schon recht zufriedenstellend :D

30.3.2015: 38 Flugstunden und 2200km mit den letzten 5 Flügen

Nach den Regentagen ging es mit normaler Thermik weiter. Der erste Tag (23.3) sah von der Prognose schlecht aus und ich habe mich in den Arcus Turbo bei Robin S. hinten reingesetzt. Irgendwie ging es dann doch weiter, das Steigen blieb aber relativ schlecht und der Rückweg sah immer komplizierter aus. Letztendlich mussten wir auch 20km vor Pui den Turbo ziehen. Schade eigentlich, es wäre ein schönes großes FAI Dreieck geworden. Nach wieder einer kurzen Schlechtwetterphase folgte am 26.3. nochmal ein kurzer Thermikflug. In der Nacht kam dann Mistral auf und ich konnte am 27.3. meinen ersten Flug bei Mistral-Bedingungen machen. Mistral ist die Bezeichnung für starken Nordwind, welcher durch das Rhone-Tal kanalisiert und dadurch beschleunigt wird. Hier in Südfrankreich stehen viele Berge Ost-West ausgerichtet, und so entstehen hinter d

iesen Bergen sogenannte Leewellen. Verknüpft man die Aufwindgebiete verschiedener Berge kann man auch trotz des starken Windes Streckenkilometer erfliegen. Es war beeindruckend die Welt einmal aus knapp 6000 Meter über Meer zu sehen. Von da oben sieht man den Mont Blanc und das Mittelmeer zugleich. Außerdem haben wir die waren Kräfte der Natur kennengelernt. In der Höhe herrschten 100 km/h Gegenwind. Beim Durchflug der Rotoren (sehr turbulente Gebiete im Lee der Berge) dachten wir immer jetzt fliegt das Flugzeug auseinander. Dafür wurde man dann in der ganz laminaren Strömung der Leewelle belohnt. Hinter dem Pic de Bure stiegen wir von 2500m auf fast 6000m mit Steigwerten von 5-8 m/s. Leider ist man so schnell an der Luftraumgrenze, da kann man das Steigen gar nicht richtig genießen.
Beeindruckt von diesem ersten Flug wollten wir am nächsten Tag (28.3.) kurz nach Sonnenaufgang starten. Leider versagte der Anlasser der Schleppmaschine, die dann erst gegen 8 Uhr lief. Zudem war dann auch der Wind für ein paar Stunden eingeschlafen, so dass die lokalen Wellengebiete für einige Zeit nicht mehr funktionierten. Robin und ich haben währenddessen ein zweites Frühstück gemacht und sind dann etwas später am Tag gestartet. Da die Eigenstarter ja schon früh allein Starten konnten waren sie schon `über alle Berge`, wir sind dann einfach nochmal in etwa die gleiche Strecke wie am Vortag allein geflogen. Der Arcus M hatte an dem Tag 950km geschafft.

Am nächsten Tag (29.3.) versuchten wir es dann nochmal, sprich halb sechs aufstehen, um kurz vor sieben starten und um 8 die ersten 100km weg haben. Leider schafften wir den Einstieg in Leewelle am Pic de Bure nicht, so das wir mit dem Wind wieder zurück über Serres mussten, um irgendwo wieder Höhe zu machen. Das ist in etwa 

so wie wenn man bei Monopoly die Karte `gehe nicht über Los, ziehe nicht 2000 ein` bekommt. Man ist kurz vor der großen Belohnung, der Welle vom Pic de Bure, schafft das knapp nicht und muss sich erst wieder eine Stunde anstrengen, um die Ausgangslage wieder herzustellen, um es nochmal versuchen zu können. Da hat es dann auch geklappt. Von Norden kam dann allerdings extrem viel Feuchte herein. Das sah zwar cool aus, machte aber weiter fliegen nach Norden unmöglich. Dann sind wir noch in bekanntem Gebiet ein wenig umhergeflogen und letztendlich nach 10h Flug erschöpft gelandet. 

05.04.2015: die letzten Mistralflüge

Nach dem der sehr starke Wind auf nur noch starken Wind abschwächte (ca. 100km/h) bestand wieder Hoffnung auf einigermaßen fliegbares Wetter. Wir beschlossen am 2.4. wieder kurz nach Sonnenaufgang zu starten, ich saß mit Markus zusammen in einem der beiden Arcen. Der erste Schenkel führte wieder hoch am Pic de Bure vorbei Richtung Susatal. Da man erst erkunden musste, wo die ganzen Wellen an dem Tag genau standen, haben wir für diesen ersten Schenkel sehr lang gebraucht. Allerdings hatten wir hinter den Ecrins eine gute Linie entdeckt, die wir bis ins Susatal ausfliegen konnten. Als wir die erste Wende nahmen hatte ich mir aufgrund der langsamen Durchschnittsgeschwindigkeit gedacht, das es kein allzu herrausragender Tag werden wird. Nach der Wende flog ich mit unserem Trainer Markus komplett allein, bis dahin sind wir mit zwei anderen Arcen gemeinsam geflogen. Nach dem wir wieder den Pic de Bure erreicht haben, flogen wir nochmal etwas nach Westen, um den Schenkel etwas zu verlängern. Dann wendeten wir und flogen die gleiche Linie Richtung Susatal nochmal hoch. Stück für Stück erarbeiteten wir uns das Wellenfliegen und kamen immer besser mit dem deuten von Wolken zurecht. Dementsprechend schneller haben wir die guten Linien wieder gefunden und konnten die Schnittgeschwindigkeit allmählich steigern. Bis Kilometer 600 habe ich mich gefreut, das wir heute vielleicht mal 800km schaffen könnten. Dann haben wir im Cockpit über die Wahl der nächsten Routen diskutiert, und haben verschiedene Möglichkeiten durchgerechnet. Am Ende kam raus, das wir die 1000km doch noch schaffen könnten. Also sind wir nochmal bis ins Susatal geflogen, schließlich mussten wir den Schnitt hochhalten bzw. noch weiter steigern, um vor Sonnenuntergang die 1000km voll zu haben. Dies ging auf der Linie, die wir dann schon kannten natürlich am einfachsten. Nun hatten wir an der letzten Wende 800km voll und noch genau 200km bis Pui. Da wir der Optimierung nicht zu 100 Prozent vertrauten und der Rückweg durch die große Rückenwindkomponente deutlich schneller ging als gedacht konnten wir nochmal Richtung Luberon fliegen. Hier angekommen hatten wir immer noch ausreichend Zeit bis Sonnenuntergang, also wollten wir nochmal den allerletzten Schenkel 15km weiter Richtung Süden verlängern. Wir flogen bis kurz vor das Mittelmeer, wendet

en und wollten gegen den Wind zurück ins Lee vom Luberon. Hier verschätzten wir uns etwas und kamen dann doch sehr tief im Lee wieder an. Der Blick auf die Uhr verriet dass es an der Zeit war Gas zu geben, schließlich noch 60km bis Pui und nur noch 30 Minuten bis Sonnenuntergang. Da wurde das Ende vom Flug nochmal spannender als gedacht. Letztendlich ging dann der Luberon doch von unten raus mit etwas mehr als einem Meter, so dass wir 8 Minuten vor Sunset landen konnten. Am Ende standen dann 1057km auf der Uhr. (http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?flightId=2075883081).

Am Tag darauf haben wir erstmal bei schlechtem Wetter eine Pause gemacht. Dann sah es nach einem mittelguten Thermik-Tag mit Überentwicklung am 4.4. aus. Wir starteten normal und flogen den sogenannten Ostrun, eine Aneinanderreihung von Bergen Richtung Osten. Hier standen schon die ersten Schauer, und wir mussten recht früh umdrehen. Damit es ein wenig FAI-Dreieck-Bonus gibt flogen wir nun nach Nordwesten, erreichten hier aber auch wieder schnell die Wettergrenze. Also weiter nach Südwesten, vielleicht geht da was. Zeitgleich sagte jemand über Funk dass wohl die Welle am Lure überraschenderweise steht. Und das obwohl bei uns in Bodennähe nur 30km/h Wind waren. Also hin zum Lure, und über mit Thermik kombinierten Rotoren ins laminare rein. Wir dachten uns, wenn wir Glück haben können wir noch die Welle vom Mont Ventoux mitnehmen, um dann weiter nach Südwesten zu fliegen. Auf der Linie Richtung Mt. Ventoux stellten wir aber fest, das der Wind in der Höhe deutlich stärker steht und die Welle viel besser geht als erwartet. Also Wende hinter dem Mt. Ventoux über dem Rhonetal, dann zurück am Lure vorbei zum Parcour und weil es so gut ging das gleiche nochmal. Weil wir früh gedacht haben nur Thermik zu fliegen hatten wir uns nur normale Schuhe ohne Skyboots angezogen. Während des Fluges habe ich gedacht meine beiden Füße sind gerade abgefroren, aber eine halbe Stunde nach der Landung haben sie glücklicherweise doch wieder begonnen mit kribbeln und nach einer warmen Dusche hat man gemerkt das sie doch komplett überlebt haben ;) Ausserdem hatten wir durch die Thermikfliegerei am Morgen schon alle sechs Schenkel voll. Nach etwas Rechnerei haben wir uns entschlossen nochmal wie am Vortag zum Luberon und Richtung Marseille zu verlängern. Letztendlich wurde aus dem Thermiktag nochmal ein Wellentag und wir waren sehr erstaunt darüber, wieviel wir von dem 1000km Flug zuvor wieder neu anwenden konnten. Die guten Linien haben wir auf Anhieb gefunden, was dazu geführt hat, das wir die letzten 500km so ziemlich ohne Kreis und mit einem Schnitt jenseits von 140 km/h fliegen konnten. FL115 und Vmax fassen den Tag in zwei Worten zusammen :). Überraschende Wendung von Thermik zu Welle, welche wir alle nicht erwartet haben. Durch die Schenkel Optimierung zählten die ersten 100km in der Thermik leider nicht, trotzdem kamen am Ende des Tages beachtliche 680km bei einem 113er Schnitt raus. Beeindruckender Tag!

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