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Aktuell

Südafrika - Worcester

Bericht von Lukas:

Auf Grund meiner sportlichen Ambitionen habe ich mich im Sommer letzten Jahres, als Sportsoldat beworben. Und es ging schneller los als ich gedacht hatte.

Für die Sportsoldaten 2017 war ein Wintertraining in Südafrika geplant. Da noch Plätze frei waren, erhielten alle  Bewerber für das Jahr 2018 einen Anruf von Uli Gmelin, ob man nicht Lust hätte unmittelbar vor einer möglichen Bundeswehrzeit in Worcester daran teilzunehmen. Geplant war in der Zeit von Anfang November bis Ende Januar dort zu fliegen. Die zwei Arcen, an denen der Förderverein der Sportsoldaten beteiligt ist, standen zur Verfügung.

Ich hatte erfreulicherweise Zeit und konnte mit nach Worcester kommen. Dort teilte ich mir die zur Verfügung stehenden Sitzplätze in V8 und V9 mit Nils Ruckert aus dem Sposojahr 2017 und Jannes Stahf, ebenfalls ein Bewerber für 2018. Da die anderen Bewerber den Aufenthalt nicht realisieren konnten, standen uns drei täglich zwei Sitzplätze zur Verfügung. 

 

 

Der Flugplatz:

Worcester, eine Stadt mit 100.000 Einwohnern liegt etwa 80 km nordöstlich von Kapstadt.  Aufgrund dessen ist der Platz infrastrukturell sehr gut angebunden. Eine große Mall und etliche Restaurants sind innerhalb weniger Kilometer Entfernung. Bei nicht fliegbarem Wetter gibt es vielseitige Alternativprogramme: man kann eines der unzähligen Weingüter in der Nähe besichtigen und dort lecker essen, nach Kapstadt oder zum Baden an das Meer fahren, und vieles andere mehr.

Auf dem Flugplatz ist der Segelflugverein Cape Gliding Club (http://cgc.org.za/) beheimatet, welcher uns herzlich aufgenommen hat. Anders als an vielen Plätzen in Südafrika und Namibia, wird der Flugbetrieb vom Verein betrieben. Dieser verfügt zwar mit zwei K13en, einem Twin, einem Astir und einem Janus für europäische Verhältnisse eher über einen bescheidenen Flugzeugpark, jedoch haben viele Mitglieder privat sehr leistungsfähige Flugzeuge. Für den F-Schlepp stehen ein Rotax-Falke mit 100PS sowie ein Schlepp-UL mit 115PS zur Verfügung. Extra für uns, wurde für fast die gesamte Zeit ein durchgängiger F-Schleppbetrieb organisiert. Zusätzlich gibt es am Wochenende für die Schulung oft einen Windenbetrieb.
Die Flugzeuge sind in den vielen verschiedenen Hallen am Platz untergebracht. Erfreulicherweise hatte ein Vereinsmitglied in seiner Halle noch Platz für unsere beiden Arcen.

Neben dem Cape Gliding Club sind noch eine kleine Flugschule und einige Motorflieger am Platz ansässig. Deren Verkehr hielt sich aber in Grenzen und behinderte uns in keiner Weise. Der Platz hat eine asphaltierte Bahn von 1400m Länge und liegt auf 200m NN. Somit gab es beim F-Schlepp außer an den heißesten Tagen mit 40°C keine Probleme. Zudem gibt es eine etwas kürzere Querbahn mit Kiesbelag. Diese haben wir jedoch nur einmal bei einem Seilriss im F-Schlepp genutzt.

Direkt am Platz kann man ohne Freigabe bis auf FL85 steigen, da sich oberhalb ein Luftraum des Flughafens Kapstadts befindet.  Wenig weiter im Landesinnern kann man bereits auf FL 145 steigen. Die weitere Luftraumstruktur wurde uns gut erklärt und behinderte unsere Überlandflüge kaum.

Außerhalb des Flugbetriebs konnten wir  das Clubhaus und einen Sanitärblock nutzen. Untergebracht waren fast alle Teilnehmer der „Reisegruppe Achumer Störche“ in verschiedenen kleinen privaten Holzhütten am Platz. Für uns Sportsoldaten stellte der Verein seine Übernachtungsblockhütte, zu sehr günstigen Konditionen, die ganze Zeit zur Verfügung.

 

Das Wetter

Das Wetter in Worcester ist durch die relative Nähe zum Atlantik und auch zum Indischen Ozean von diesen beeinflusst. Dadurch ist es zumeist kühler und auch feuchter als im Inland. Dadurch sind die thermischen Verhältnisse etwas schwächer als im nördlichen Südafrika und Namibia. Jedoch gibt es in Worcester verschiedene Bergzüge, an denen man dann durch eine Kombination aus Hangwind und Thermik sehr hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erreichen kann. Eine Besonderheit beim Hangfliegen in Worcester war, dass die Hänge auch meist noch Energie geliefert haben, wenn der Wind nahezu parallel oder fast nicht vorhanden war.
Der Platz liegt an der unteren linken Ecke einer L-förmigen Bergkette. Mit die wichtigste Entscheidung für große Flüge ist es, morgens die richtige Richtung des ersten Schenkels festzulegen. Hier bietet sich entweder eine Flugwegwahl nach Norden oder nach Osten an.
Wellenwetterlagen mit sehr interessanten Flügen sind in dieser Region auch möglich, ich konnte diese während meines Aufenthalts leider nicht nutzen. Uli gelang es an einem dieser Tage, einen Überlandflug bis weit in den Norden zu machen, bei dem er auf einem Schenkel von 300 km eine Schnittgeschwindigkeit von 290 km/h erreichte.

Um uns bei der Entscheidung zur Flugwegwahl bestmöglich zu helfen, hat uns Sven Oliver unermüdlich über die gesamte Zeit jeden Morgen ein Wetterbriefing gegeben.

 

Das Fliegen

Im Gegensatz zum restlichen Südafrika und Nambia zeichnet sich die Fliegerei in Worcester dadurch aus, dass  man regelmäßig alle für den Segelflug existierenden Aufwindarten (Thermik, Welle, Hang) vorfindet und für seinen Flug nutzen kann. Das macht Worcester zu einem idealen Trainingsort.

Nach dem Start gibt es meist drei verschiedene Möglichkeiten seinen Flug zu beginnen: Bei eher östlichen Windrichtungen kann man sich zum Queen Victoria Peak, dem Hausberg im Süden des Platzes, schleppen lassen. Dieser hat uns meist mit fantastischen Steigwerten von über 5m/s überrascht. Von dort aus fliegt man dann an verschiedenen Hängen südwestlich Richtung False Bay. Da in dieser Gegend viel Landwirtschaft betrieben wird, hat man dort auch ausreichend Landeflächen.
Auf dem Weg Richtung Ozean fliegt am an mehreren großen Stauseen vorbei. Man braucht nur einen Blick auf diese zuwerfen und es wird klar warum das Wasser in Kapstadt auf 50 Liter pro Person und  Tag rationiert worden ist. Wir konnten im Verlauf der Zeit deutlich beobachten, dass die Pegel der Stauseen ständig weiter abnahmen.
An der False Bay angekommen hat man einen fantastischen Ausblick auf den Atlantik und den Tafelberg. Bei guter Sicht auch auf das Kap der guten Hoffnung. Hier muss man dann auch etwas auf den Luftraum aufpassen. Dieser sinkt aufgrund der Nähe zum Flughafen Kapstadt auf FL45 ab.

Die zweite Möglichkeit ist an den Langebergen im Norden des Platzes zu starten und von dort aus nach Osten Richtung George zu fliegen. An dieser Bergkette kann man dann mit kurzen Sprüngen über 200km entlang fliegen. Danach sinkt der Hang ab, was den Weiterflug ohne thermische Unterstützung ein wenig speziell macht. Auf dieser Route haben wir die größten Strecken erflogen. Hierbei muss man jedoch vorsichtig sein, da der Abstand zum Meer immer geringer wird und die Basis bei einsetzendem Seewind absinkt. Zerstörte die Seebrise doch unerwartet den Hangwind musste kurzzeitig der Motor herhalten, um in den noch funktionierenden Teil des Hanges zurück zu gelangen.

Die dritte Möglichkeit ist von Worcester nach Norden zu fliegen. Hierbei kann entweder an einem vorgelagerten tieferen Hang oder an einem höheren Bergzug weiter im Osten geflogen werden. Die vorgelagerte Frontridge war meist stärker, hat aber den Nachteil, dass sie nicht so weit nach Norden geht. Gegen Abend hat man hier eine fantastische Aussicht auf den Atlantik mit Containerschiffen und der untergehenden Sonne im Hintergrund.

Abseits dieser Hauptrouten gibt es noch etliche mögliche Alternativen,  die teilweise noch darauf warten entdeckt zu werden. So sind wir einmal nach Süden bis direkt an den Atlantik, sowie mehrmals in das Landesinnere Richtung südafrikanischer Hochebene in die Wüstenregion der Tankwa Karoo geflogen. Auf der dahinter liegenden Hochebene erwartete uns das berühmte Südafrikawetter mit hoher Basis und starker Thermik. Diese Flüge waren aber eher Ausnahmen da wir uns auf dem Hinweg immer mit relativ schwacher Thermik und niedriger Basis in ansteigendes Gelände quälen mussten und diese Flüge somit langsamer waren. Somit muss man sich die Frage stellen, ob man auf spektakuläre Entdeckungsreise gehen will, oder lieber OLC-optimiert fliegt. Bei Überführungsflügen von Worcester nach Upington oder von Gariep nach Worcester zeigten Jan Rothhardt und Uli Gmelin, welche Möglichkeiten es noch gibt, wenn man einfach ein wenig raumgreifender denkt. 

Zusammenfassend kann man sagen, dass Worcester ein idealer Ausgangspunkt ist, bei dem sich fliegerische Ambitionen mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten kombinieren lassen. In der gesamten Zeit wurden dort über 20 1000er geflogen. Auch jedem Sportsoldaten ist dies gelungen, Rekordhalter ist Nils mit 5 Flügen von 1000 bis 1150 km.  Nahezu jeder Tag konnte fliegerisch genutzt werden, was sich in den über 500 Stunden, die die beiden Arcen geflogen haben, widerspiegelt.

Vielen, vielen Dank an Uli und die Archumer Störche für die einmalige Gelegenheit den Arcus über solch einen langen Zeitraum und fast kostenlos in Worcester fliegen zu können.
Ein weiterer großer Dank geht an den Cape Gliding Club und besonders an Sven Olivier für seine Wetterbriefings. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen. 

 

Was sind Sportsoldaten und wie kann man es werden?

Sportsoldaten sind von der Bundeswehr geförderte Sportler auch Sportlerinnen, wie Lisa Scheller in diesem Jahrgang. Diese sind als freiwillig Wehrdienstleistende oder als Soldaten auf Zeit bei der Bundeswehr angestellt, werden aber fast für die ganze Zeit für ihren Sport freigestellt. Dies wurde  eingeführt, damit Leistungssportler ihren Sport in Vollzeit ausüben können und so bei Wettkämpfen mehr Medaillen für Deutschland gewinnen. In der Bundeswehr gibt es insgesamt etwa 750 Sportsoldaten, wobei die meisten Plätze den Olympischen Sportarten zur Verfügung stehen. Für die nichtolympischen Sportarten bleiben nur wenige Plätze. Von diesen hat der Segelflugsport jährlich zwischen drei bis fünf.

Wenn auch Du sportlich ambitioniert bist und Dich in der Zukunft als Sportsoldat bewerben möchtest, musst Du  folgende Kriterien erfüllen: Du musst unter 25 Jahren alt sein und mindestens dem D-Kader Deines Landesverbandes angehören. Je besser Deine fliegerischen Resultate sind, desto größer sind auch Deine Chancen angenommen zu werden. Auf jeden Fall solltest Du Dich rechtzeitig bewerben. Annahmeschluss Deiner Bewerbung ist der 20. August bei Deinem Landesverband. Eine Musterbewerbung und weitere Informationen findest Du auf der Internetseite der Sportsoldaten Segelflug http://sportsoldaten-segelflug.de/

 

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